AKTUELLE THEMEN
Sucht, Drogen und ganzheitliche Heilung
Wenn wir uns mit dem Thema Sucht auseinandersetzen, begegnen
uns dabei viele unterschiedliche Anteile aus dem Leben des Menschen.
Die Thematik von Sucht bewegt sich innerhalb eines komplexen Geflechts, das
sich hauptsächlich aus individuellen, sozialen, familiären, tiefenpsychologischen,
religiösen und medizinisch-pharmakologischen Aspekten zusammensetzt.
Was genau ein Suchtverhalten ist, und ab wann man von einer krankhaften Sucht sprechen kann, ist nicht immer eindeutig zu definieren. Auch die Frage nach der Art und der Wertigkeit von so genannten Suchtmitteln und Suchtobjekten lässt sich nicht pauschal beantworten, da potentiell sehr viele Dinge eine süchtig machende Funktion übernehmen können.
Hinzu kommt noch, dass die Betrachtung und Bewertung von Suchtverhalten überwiegend aus einem sehr subjektiven Blickwinkel erfolgt und vom kulturellen und intellektuellen Zeitgeist einer Gesellschaft geprägt sind.
So wird beispielsweise der zwanghafte Heroinkonsum von Junkies auf schmuddeligen Bahnhofstoiletten von der Allgemeinheit verurteilt, das agile Verhalten eines strebsamen und ehrgeizigen Juniormanagers mit seiner narzisstischen Geltungs- und Karrieresucht wird hingegen wohlwollend beklatscht und als erstrebenswertes Vorbild von der Gesellschaft akzeptiert.
Wir sollten unvoreingenommen erkennen, dass eine Sucht viele Gesichter haben kann, und diese entweder ganz offensichtlich oder auch nur latent und unbewusst im Leben eines jeden Menschen auf unterschiedlichste Art und Weise eine Rolle spielt. Mit Hilfe der folgenden Darstellung über den Ursprung und Ausdruck von Sucht versuchen wir zu begreifen, wie ein grundsätzliches Suchtprinzip im Leben der meisten Menschen angelegt ist und wie wir mehr Verständnis und einen bewussten Umgang dafür entwickeln können.
Die Ur-Sucht: Liebe und Einheit
Versetzen wir uns in die Situation und in das Erleben
einer Menschenseele hinein, die noch als ungeborenes Lebewesen im Bauch
der Mutter heranwächst. Dieses Wesen bildet, quasi schwerelos schwebend,
in der Fruchtblase eine ganzheitliche und symbiotische Einheit mit ihrer
Umgebung. In einer Art paradiesischer Rundumversorgung existiert dieses
zukünftige Menschenkind einige Monate lang in einem Seinszustand,
der sich nur schwer mit Worten beschreiben lässt und jenseits von
unserer gewöhnlichen Erfahrung und Vorstellung von Raum und Zeit
liegt.
Es ist ein Einheitszustand, in dem noch keine Verstandeskraft
oder Gedanken existieren, die ein bewusstes Denken oder ein zielgerichtetes
Handeln ermöglichen würden. Impulse, wie beispielsweise "Wollen", "Müssen" und "Machen",
sind dabei noch völlig unbekannt.
Mit dem Augenblick der Geburt entsteht die erste große Trennungserfahrung, die das bisherige Einheitserlebnis aufzulösen beginnt. Das Kind ist nun anatomisch von der Mutter getrennt und physisch zu einem Einzelwesen geworden, das den bisherigen Einheitszustand durch das einschneidende Erlebnis der Geburt hinter sich lassen musste. Für das Neugeborene sind dieser Trennungszustand und seine neue Umgebung noch fremd und ungewohnt, das ursprüngliche Gefühl von Einheit aber ist in ihm noch immer sehr gegenwärtig.
Im Idealfall wird jetzt mit Hilfe der Mutter durch intensiven und zärtlichen Körperkontakt, durch nährendes Stillen und durch eine bedingungslose Liebe und Anteilnahme an den Bedürfnissen des Säuglings, eine vorübergehende Fortführung des symbiotischen Erlebens bewirkt. Dadurch ist es für eine bestimmte Übergangszeit möglich, dem neugeborenen Kind auch jetzt noch ein Gefühl von Einheit und Liebe zu ermöglichen und damit die notwendige emotionale Grundlage für ein tief greifendes und elementares Urvertrauen zu schaffen.
Im Laufe der Zeit beginnt das Kind in Bezug auf sich
und seine Umwelt zu realisieren, dass es selbst etwas Eigenes ist. In
seinem Bewusstsein erwacht allmählich die große geistige Trennungsinstanz:
das Ego. Mit den Worten "Ich" oder "Mein" manifestiert
sich das Ego auch erstmalig in der Umwelt des Kindes.
Das Kind beginnt
nun entsprechend seiner inneren Wahrnehmung immer mehr Grenzen zu ziehen
und die jeweiligen Inhalte entweder als außerhalb und getrennt
von sich existierend oder innerhalb liegend und damit zu sich zugehörig
zu begreifen und zu benennen. Sein ursprüngliches Einheitsbewusstsein
verwandelt sich dadurch in unterschiedliche und scheinbar voneinander
getrennte Bewusstseinsbereiche.
Die immer stärker werdende Entwicklung und Dominanz
des Egos ist obligatorisch und notwendig, damit das Kind und der sich
daraus entwickelnde Mensch in der Welt angemessen existieren und sich
durchsetzen kann. Das Ego ist in diesem Sinne ein überlebensnotwendiges
Bewusstseinswerkzeug, damit ein Mensch sich als ein willensfähiges,
autonomes Einzelwesen erlebt und seine geistige, seelische und körperliche
Integrität bewahren kann.
Eine der wichtigsten Fähigkeiten des Ego-Bewusstseins ist es, in der eigenen
Wahrnehmung differenzierte Unterscheidungen und Grenzen zu erzeugen, um dadurch
die Welt geistig aufzuspalten, sie zu durchdringen und mit Hilfe des Verstandes
Erkenntnisfähigkeit zu erlangen. So entwickelt jeder Mensch im Laufe seines
Lebens ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Ego und die dazugehörige
Persönlichkeit.
Der Preis dafür ist leider ein immer stärker
werdender Verlust von Einheit und Ganzheit im eigenen Leben und Erleben.
So verliert sich der Mensch im Laufe der Zeit immer mehr in einer komplizierten
Welt voller Gegensätze und Widersinnigkeiten und sehnt sich instinktiv
nach der ursprünglichen Einheit und Einfachheit.
Er entwickelt,
parallel zu seinem Ego, ein tiefes Verlangen nach dem verloren gegangenen
Paradies, in dem keine Sorgen, keine Ängste, keine quälenden
Gedanken und keine Sinnlosigkeit existierten, sondern nur das eigene
Sein.
So trägt jeder Mensch eine Ur-Sucht in seinem Wesen: die Sehn-Sucht nach einem dauerhaften Zustand von Liebe, Ganzheit, Vollkommenheit und Einheit mit der Schöpfung. Diese Sehnsucht ist die Triebfeder, die das Leben eines jeden Menschen auf vielfältige Art und Weise bewegt, und aus der sich auch die unterschiedlichsten Süchte entwickeln können.
Die Such(t)mittel und ihre Konsequenzen
Unter den eben beschriebenen Vorraussetzungen beginnt
der Mensch instinktiv nach Wegen und Möglichkeiten zu suchen, diesen
ursprünglichen Zustand von Einheit und Liebe in seinem Leben wieder
herzustellen und zu erfahren.
Schon sprachlich betrachtet sind "Sucht" und "Suchen" miteinander
verwandt und weisen viele Gemeinsamkeiten auf. Wir können in diesem
Zusammenhang eine Sucht als eine unvollständige und vorzeitig beendete
Suche begreifen, in der ein Mensch sein ureigenes Ziel aus den Augen
verloren hat und auf seinem Weg an einem oberflächlichen Pseudoziel
hängen geblieben ist.
Nur wenigen ist bewusst, dass es bei dieser Suche nicht
nur um das Entdecken eines möglichst lange andauernden Zustands
des körperlichen oder seelischen Wohlbefindens geht, sondern dass
es sich um eine intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben und
Wesen handeln muss. Diese Suche und persönliche Lebensreise besitzen
dabei einen zutiefst religiösen Charakter.
Religiosität hat
im ursprünglichen Sinne nichts mit "gläubig" sein,
kirchlichen Institutionen oder gar mit einer bestimmten Konfession zu
tun, sondern leitet sich von Re-ligio ab, was mit Rück(Wieder-)ausrichtung
oder Rück(Wieder-)anbindung an den Urgrund des eigenen Wesens und
der eigenen Seele übersetzt werden kann.
Diese ureigene Entdeckungsreise
soll uns also letztendlich zu unserem eigentlichen Sein, zu unserer eigenen
Vollkommenheit und Ganzheit führen.
Nun existieren eine Reihe von intensiv wirksamen Drogen,
Suchtmitteln und Suchtmethoden, die dem Menschen für eine bestimmte
Zeit das trügerische Glücksgefühl vermitteln, schon bei
sich selbst angekommen zu sein und sich im ersehnten Paradies von Frieden,
Glückseligkeit, Liebe und Ganzheit wieder zu finden. Doch diese
Zustände sind eben meist nur durch die Einnahme einer Drogensubstanz
künstlich erzeugt worden und nichts weiter als ein biochemischer
Selbstbetrug,
der trotz seiner beeindruckenden Intensität nur eine
bequeme und kurzlebige Illusion darstellt. Der Süchtige schafft
es leider nicht, den angestrebten Zustand von Liebe und Ganzheit in seinem
eigenen Wesen und aus eigener Bemühung heraus zu entdecken und zu
erleben. So wird er letztendlich abhängig von billigen und vergänglichen
Imitationen eines vermeintlichen Glücks.
Es ist bekannt, dass der menschliche Körper und sein Nervensystem normalerweise für solche intensiven Zustände, die durch chemische Drogensubstanzen erzeugt werden, auf Dauer nicht darauf vorbereitet und ausgerichtet sind. Besonders das subtile und ausgewogene Zusammenspiel der verschiedenen Anteile des zentralen Nervensystems wird durch die Wirkungen entsprechender Drogensubstanzen schockartig überflutet und teilweise außer Kraft gesetzt.
Als eine der vielen möglichen
Selbstschutzreaktionen beginnen bestimmte Nervenzellen und Rezeptoren
abzustumpfen und unempfindlicher zu reagieren.
Um das absichtlich herbeigeführte
Drogenerlebnis wieder in der gleichen Intensität zu erleben, sind
zwangsläufig immer häufigere und
höhere Dosen notwendig, und schon sehr bald tritt ein abhängig machender
Gewöhnungseffekt ein, der das Nervensystem und viele andere Organbereiche
massiv schädigen kann.
Unabhängig von den eben genannten körperlichen
Konsequenzen verursachen intensive Drogenerlebnisse auf Dauer auch auf
der seelisch-geistigen Ebene meist schwer-
wiegende Probleme. Unser Alltagsbewusstsein
ist ja, wie eingangs schon kurz erwähnt wurde, mit Hilfe unserer
Verstandeskraft auf ein relativ schmales, aber sehr differenziertes Wahrnehmungsfenster "geeicht",
durch das wir die Welt und uns selbst erleben. Durch die Einwirkung entsprechender
Drogensubstanzen werden wir mit Bildern und Gefühlszuständen
konfrontiert, die unser alltägliches Verstandes-
bewusstsein überschreiten,
und nicht mehr ohne weiteres gefiltert und verarbeitet werden können,
unabhängig davon, ob es sich dabei um subjektiv angenehme oder unangenehme
Eindrücke handelt.
So kommt es meist in der Zeit nach dem Drogenerlebnis,
wenn die unmittelbare biochemische Wirkung schon deutlich nachgelassen
hat, zu Störungen des allgemeinen Empfindens, des Verhaltens, der
Gedanken und Konzentration.
Durch die regelmäßige Einnahme
starker und psychotroper Drogen verschieben sich allmählich die
bisherigen Wahrnehmungsgrenzen und werden ebenso durchlässiger für
zahlreiche eigene, unverarbeitete Bewusstseinsinhalte, und auch äußere
und fremde Einflüsse. Dadurch können sich beispielsweise Wahnvorstellungen,
Halluzinationen und Persönlichkeitsstörungen, aber auch lang
anhaltende Zustände von Euphorie, Zwangshandlungen, Angst, Panik,
Abstumpfung und Depression entwickeln, da die ursprüngliche Integrität
des neurologischen und seelisch-geistigen Gefüges sich allmählich
aufzulösen und zu destabilisieren beginnt.
Je nach dem spezifischen Wirkungsbereich einer Drogenart
besteht somit zwar die, fast immer beabsichtigte, Möglichkeit,
das durch die Verstandeskraft begrenzte Alltagsbewusstsein zu manipulieren,
gleichzeitig wird damit jedoch das ganze Wesen des Menschen zwangsläufig
mehr oder weniger traumatisiert.
Dies kann im negativen Sinne in der
Intensität etwa vergleichbar sein mit den emotionalen Auswirkungen
von Erlebnissen wie schwere Unfälle und Erkrankungen, Schockzustände,
Kriegseinwirkung, Gewalt, Folter oder Nahtoderfahrungen.
Eine harmonische Integration der durch einen regelmäßigen Drogenkonsum hervorgerufenen Bewusstseindrücke ist zu einem späteren Zeitpunkt nur schwer nachzuholen und um so schwieriger zu gestalten, je häufiger, länger und intensiver die Drogeneinnahme erfolgte (Flashback-Phänomen).
Leider konsumieren ja meist jene Menschen gerne Drogen, die schon in ihrer Persönlichkeitsstruktur grundsätzliche Schwächen aufweisen und oft mit vielen Ängsten, mangelndem Selbstwert, innerer Labilität und seelischer Verzweiflung behaftet, den Herausforderungen des Lebens mit Hilfe eines Drogenrausches auszuweichen versuchen. Eine starke Persönlichkeit ist meist wesentlich weniger anfällig für Drogen und Rauschzustände und besitzt eher eine natürliche Abneigung gegen Fremdbestimmung dieser Art.
Was verrät die Droge über die Sucht?
Ein starkes Suchtverhalten und entsprechende Auswirkungen
zeigen sich besonders bei den bekannten und "klassischen" Drogen
wie Opiaten, Aufputsch- und Beruhigungs-
mitteln, Psychopharmaka, diversen
Designerdrogen, Alkohol, Zigaretten und Haschisch. Alle diese Drogen
haben gemeinsam, dass sie durch ihre direkte physiologische Wirkung und
ihr vorhandenes Gewöhnungspotential fast immer eine mehr oder weniger
ausgeprägte körperliche und psychologische Abhängigkeit
erzeugen können. Viele Abhängige bevorzugen solche Drogen,
die in ihnen genau jene Gefühlszustände und inneren Erlebnisse
erzeugen, an denen es ihnen selbst am meisten mangelt. Dabei findet fast
immer das dahinter liegende Such(t)thema eine entsprechende Ausdrucksmöglichkeit,
was hier an einigen allgemeinen Beispielen kurz skizziert sei:
Heroin:
So bewirken Opiate wie Heroin eine intensive
Betäubung der peripheren Wahrnehmung und ermöglichen einen
totalen Rückzug von der Welt.
Heroin ist ein chemisches Derivat
des Schlafmohnsaftes. Der Konsument erlebt eine euphorische Seligkeit,
die sehr viel Ähnlichkeit mit dem schon erwähnten embryonalen
Seinszustand am Anfang des Lebens besitzt.
Viele Heroinabhängige
besitzen meist große emotionale Defizite und
seelische Verletzungen, da sie häufig ungewollte und ungeliebte Kinder
waren. Abtreibungsbestrebungen oder starke Ängste und Vorbehalte der Mutter
gegenüber der Schwangerschaft kommen sehr oft in den Biographien Heroinabhängiger
vor.
Viele erlebten schon sehr früh Ablehnung, Vernachlässigung,
Lieblosigkeit und Gewalt in der familiären und häuslichen Umgebung.
Oft sind auch Scheidungen, Trennungen oder Tod der elterlichen Bezugspersonen für eine seelische Verzweiflung mitverantwortlich, die durch den beglückenden Heroinrausch vorübergehend kompensiert werden sollen (Waisenkindsyndrom). Außerdem ist Heroin aufgrund seiner starken und intensiven Wirkung oft der abschließende Höhepunkt ("Goldener Schuss") einer längeren Drogenabhängigkeit, wenn andere Substanzen ihren Reiz oder ihre Rauschkraft verloren haben.
Kokain:
Kokain symbolisiert allein schon durch seine Herkunft sehr eindrucksvoll, um was es bei der Sucht eigentlich geht. Kokain wird aus den Blättern des südamerikanischen Coca-Strauches gewonnen, die ursprünglich von den einheimischen Indios gekaut wurden, damit sie die großen Höhenunterschiede in den Anden und die damit verbundenen Anstrengungen meistern konnten. Es ist also offensichtlich eine Droge für Menschen, die hoch hinaus wollen.
Tatsächlich scheint Kokain in unserer Gesellschaft eher eine Droge für Besserverdienende zu sein, denn die Konsumenten sind überdurchschnittlich oft in den vermeintlich "höheren" und "erfolgreichen" Kreisen zu finden. Viele Schauspieler und Musiker, Stars und Sternchen, Künstler und Kreative, Politiker und Manager sind kokainabhängig. Das Schnupfen von Kokain bewirkt kurzfristig eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit und des Selbstwertgefühls. Es stimuliert den Ideenfluss, sowie die Kontaktfähigkeit und reduziert Angst und Hunger, wobei eine relative Handlungskontrolle bestehen bleibt.
Der Konsument ist bedauerlicherweise davon überzeugt,
dass er und sein Leben nur dann etwas Wert sind, wenn er große
und überragende Leistungen erbringt. Während seiner Kindheit
wurde ihm meist nachdrücklich vermittelt, dass man sich Liebe und
Anerkennung hart erarbeiten und verdienen muss, und der eigene Selbstwert
von dem Wohlwollen der Umwelt abhängig ist.
So empfindet sich der
Kokainabhängige in Wirklichkeit klein, wertlos und ungeliebt und
versucht mit Hilfe des Drogenkicks ein Gefühl von Erfolg, Grandiosität
und Allmacht zu erleben, wobei er aber gleichzeitig immer weiter den
Boden unter seinen Füßen verliert. Deswegen finden sich besonders
unter den "Machern" unserer Leistungsgesellschaft
so viele Kokainkonsumenten, die damit exakt dem Bild unseres entarteten
Zeitgeistes von schneller, höher und weiter entsprechen.
Ecstasy:
Eine Reihe von so genannten "modernen" Drogen,
wie beispielsweise Ecstasy (MDMA) erscheinen zwangsläufig
auch gerne im Zuge eines "modernen" Lebensgefühls. Ecstasyhaltige
Substanzen sind zwar keine so "harten" Drogen wie
etwa Heroin, aber sollten in ihrer Wirkung nicht unterschätzt werden.
Ecstasy
verbreitete sich als eine typische Droge der neunziger Jahre unter den Ravern
der Technoszene. Es beeinflusst den Serotoninhaushalt des Gehirns, erwärmt
den Körper, verringert das Hungergefühl und erzeugt
für eine kurze Zeit, neben einem innerlichen Bewegungsdrang, das euphorische
Gefühl von Liebe und Verbundenheit im Herzen.
Der meist partyfreudige und narzisstisch veranlagte Konsument verlangt nach dem Einheitsgefühl einer Menschenmasse, die sich stundenlang gleichförmig und hypnotisch im Gestampfe endloser Beats bewegt und mit der er verschmelzen möchte. "We are one family", war das große Motto jener Love-Parade Generation. Mittels weltumspannender Kommunikation des jungen Internet- und Handyzeitalters verabredeten sich die Raver der Spaßgesellschaft in aller Welt an exotischen Orten und zelebrierten wie eine eingeschworene Gemeinschaft ihre Rituale.
Aber der Ecstasyrausch ist nur der kurzzeitige Ersatz für einen Mangel an Liebe, Wärme und wirklicher Verbundenheit im eigenen Herzen. Der Ecstasy-User fühlt sich innerlich verloren in einer Welt, die durch Technik, moderne Kommunikation und rasender Globalisierung zwar immer kleiner, aber auch immer anonymer und statischer geworden ist. Mit den vielen Vorzügen einer Wohlstandsgesellschaft ausgestattet, vermisst er den inneren, verbindlichen Zusammenhalt und lebendigen Austausch zwischen den Menschen, deren Leben offensichtlich nur noch auf materielle Sicherheit, Lustgewinn und ihre egozentrischen Ansprüche ausgerichtet ist. Die meisten Menschen lassen sich nur noch von ihrer Verstandeskraft leiten und haben sicherheitshalber ihre spontanen und unberechenbaren Gefühle immer mehr an den Rand ihres Wesens gedrängt.
Aber der Mensch ist keine seelenlose Maschine und auch nicht nur die zufällige Summe von "wissenschaftlich" erklärbaren physiologischen Prozessen. Die computergesteuerte "Maschinenmusik" der Techoszene versinnbildlicht und erhöht karikaturhaft diesen tragischen Widerspruch unserer modernen Zeit. Leben ist Rhythmus und schwingt dynamisch um seine eigene Achse. Der moderne Mensch hat diesen ursprünglichen Lebens-Rhythmus immer weiter aus den Augen verloren und sich mehr und mehr vom leblosen Takt der modernen Technik versklaven lassen. Rhythmus ist lebendig und beseelt, Takt hingegen ist starr und tot. Auch hier erinnert wieder der alles dominierende Techno-Takt der Raver an die Vorherrschaft der kalten, leblosen Technik, die den modernen Menschen gleichschaltet und unterjocht.
Der Ecstasy-Konsument muss lernen, dem Rhythmus seines Herzens Folge zu leisten und auch ohne seinen Rausch den Mut zu haben, es zu öffnen und seine Liebe der Welt verbindlich hinzugeben, um die erwünschte Nähe zu den Menschen und den Dingen der Welt zu erleben.
Alkohol:
Alkohol und Zigaretten sind mit Abstand am weitesten
als Drogen verbreitet.
Sie haben eine große Akzeptanz und einen
hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft, da sie als "offizielle" Drogen
gelten. Sie repräsentieren die subtile Doppelmoral unserer Einstellung
gegenüber Drogensubstanzen, denn Alkohol- und Tabakkonsum wird einerseits
als gewinnträchtiges Bedürfnis intensiv beworben und kommerziell
unterstützt (Steuereinnahmen) und andererseits als schädlich
und gefährlich verteufelt (Gesundheitskosten). Eine Abhängigkeit
tritt meist nur schleichend auf und wird besonders durch frühzeitigen
Konsum, Gewohnheitsrituale und Gruppenzwang begünstigt.
Alkohol ist ein Nervengift und bewirkt, je nach Menge
und Konzentration, anfangs eine graduelle Entspannung und Enthemmung.
Er nimmt vorübergehend, ähnlich wie beim Haschischkonsum, dem
Leben die Schärfe und die Härte.
Der Alkoholiker flüchtet
in eine vermeintlich konfliktfreie Welt, in der alles weicher, lustiger
und harmloser erscheint, als im wirklichen Leben. Der Alkoholiker und
auch der Gelegenheitstrinker wissen das allmähliche Verschwinden
von Standesunterschieden und gesellschaftlichen Vorbehalten gegenüber
anderen Menschen unter Alkoholeinfluss zu schätzen, da gemeinsames
Trinken ein soziales Ritual ist. Wie bei einer feucht-fröhlichen
Betriebsfeier werden plötzlich alle Menschen zu Brüdern und
zu einer großen Familie, in der sich alle gern haben.
Tatsächlich ist Alkohol die beliebteste Fluchtdroge, wenn es um Probleme in der Familie, Partnerschaft und im Beruf geht. Der totale Alkoholrausch erzeugt in seiner Konsequenz eine Art ohnmächtige Betäubung und Handlungsunfähigkeit, um auf diese Weise die notwendige Auseinandersetzung mit der realen, konfliktreichen Welt auszublenden und zu vermeiden. Ein schwerer und langjähriger Alkoholismus führt meist zu Demenz, Organversagen und Tod.
Tablettensucht:
Auch die häufig anzutreffende Tablettensucht hat viel Ähnlichkeit mit dem eben erwähnten Alkoholismus. Bei einer Tablettensucht handelt es sich fast immer um die zwanghafte Einnahme von Medikamenten, die ein großes Spektrum verschiedenster Schmerz- und Gefühlszustände reduzieren oder eliminieren sollen. Von einfachen Beruhigungs- und Schlafmitteln, über Schmerzmittel, bis hin zu schweren Psychopharmaka, besitzt die pharmazeutische Industrie eine Vielzahl von industriellen Präparaten, um seelische Regungen und Ausdrucksmöglichkeiten zu manipulieren.
Jedes unangenehme Gefühl, sei es Angst, Unruhe, Panik, Schmerz, Depression etc. hat seine Ursache, seine Bedeutung und seine Berechtigung im Leben des Menschen. Gehen wir bestimmten Gefühlen aus dem Weg, oder versuchen wir sie zu vermeiden, zu verdrängen und zu ignorieren, dann spalten wir wichtige und vitale Teile unseres Wesens ab, die eigentlich gefühlt, gelebt und erlöst werden müssten. Auf Dauer suchen aber diese abgespalteten Gefühlszustände entsprechend ihrer Natur nach Wegen, um wieder in unser Bewusstsein und unser Leben zu dringen, was bei einer Tablettensucht zwangsläufig zu weiteren Gegenmaßnahmen durch entsprechende Präparate und Dosiserhöhungen führt.
Heilung bedeutet immer "ganz" zu werden, und dies kann nicht durch eine - wie auch immer geartete - Abspaltung und Verdrängung eigener Wesensanteile erreicht werden. Ähnlich wie beispielsweise bei einer Infektion des Körpers, Antibiotika oder Kortison nur eine zweckmäßige Unterdrückung und Hemmung von Entzündungen bewirken, so erreicht man auf Dauer durch Schmerzmittel, Tranquilizer und Psychopharmaka keine Heilung, sondern nur ein gefährliches und ungesundes "Nach-unten-Drücken" vitaler Energien, die sich zu einer seelischen Zeitbombe verwandeln können.
Besonders problematisch ist dabei, dass sich die meisten Betroffenen und ihre Angehörigen für lange Zeit in Sicherheit wiegen, da viele dieser Präparate meist problemlos und sogar vorbeugend aus Sicht einer "wissenschaftlichen" und medizinisch-rationalen Notwendigkeit heraus verschrieben werden. So kann quasi eine auf Rezept sanktionierte Abhängigkeit erzeugt und unterhalten werden. Eine Heilung findet damit letztendlich überhaupt nicht statt und eine riesige Industrie und ihre Erfüllungsgehilfen bereichern sich ganz offiziell auf Kosten von innerlich schwachen und abhängig gemachten Menschen.
Freßsucht:
Es dürfte nach diesen kurzen Beispielen nicht schwierig sein, die vielen verschiedenen Süchte und Suchtmittel nun besser zu verstehen und zu durchschauen. Dies ist auch bei Süchten möglich, die nicht primär durch eine direkte physiologische Drogeneinwirkung entstehen.
So ist beispielsweise die Fresssucht in vielen Ländern
mittlerweile weit verbreitet.
Sie wurde, ähnlich wie der Alkoholismus,
lange Zeit verharmlost, da es sich bei Lebensmitteln oder Süßigkeiten
nicht um harte und verbotene Drogen zu handeln scheint. Auch wirkt der
Fresssüchtige im Allgemeinen nicht auffällig gestört oder
stark berauscht. Hier können wir übrigens deutlich erkennen,
dass es in erster Linie nicht die Drogensubstanzen sind, die die Schuld
am Entstehen einer Abhängigkeit tragen, sondern dass die wichtigste
Ursache dafür immer im Menschen selber liegt.
So kann im Prinzip
eben alles zu einer Droge werden.
Der Fresssüchtige sucht und verlangt nach dem Gefühl
von Schutz, Wärme und liebevoller Zuwendung, wie er es einst an
der Mutterbrust erfahren hat.
Essen ist sozusagen der erste äußere
Akt der Liebe des Menschen, der durch das Sich-öffnen und Einverleiben
der Umwelt (Nahrung) vollzogen wird.
Essen und die dazugehörige
genussvolle orale Befriedigung und Sättigung sind für jeden
Menschen von Bedeutung, aber der Fresssüchtige konsumiert meist
nur deshalb wahllos und massenhaft Nahrungsmittel, um sein seelisches
Loch zu füllen (Kummerspeck).
Die schwere Körpermasse, die
ein Fresssüchtiger entwickelt kann, erfüllt hierbei auch die
Funktion einer "Ersatzstabilität", da im Inneren meist
keine vorhanden ist. Zusätzlich schafft sich der Fresssüchtige
auch ein "dickes Fell" gegen die lieblose Umwelt, der er sich
häufig schutzlos ausgeliefert fühlt.
Fresssucht ist ganz offensichtlich nur eine Ersatzbefriedigung,
die meist schon sehr früh von den Eltern anerzogen wurde. Jedes
Schreien wurde fast automatisch als Notwendigkeit zum Stillen oder Füttern
interpretiert, anstatt dabei vielleicht auch nur das Verlangen nach Liebe
und Aufmerksamkeit wahrzunehmen.
So lernt schon der Säugling, dass
Gestillt- und Gefüttertwerden gleichbedeutend mit "ich werde
geliebt und umsorgt" ist und verinnerlicht dieses Muster sehr schnell
in seinem Wesen. Auch wenn "artige" Kinder als Belohnung immer
Süßigkeiten bekommen, das heißt, immer dann, wenn sie
ihre vitalen und authentischen Bedürfnisse unterdrückt und
es den genervten Erwachsenen recht gemacht haben, wird die Entwicklung
von Fresssucht und anderen "Belohnungs-Süchten" begünstigt.
Süchte und ihre Heilungschancen
Ist eine ganzheitlich orientierte Heilung von Sucht überhaupt möglich?
Bei Schwerstabhängigen ist es anfangs grundsätzlich notwendig, durch Entzug und eine körperliche und psychologische Therapie, eine Basis für einen ganzheitlichen Heilungsansatz zu schaffen. Das pauschale Vermeiden, Verbieten, Verhindern oder "Weghypnotisieren" eines Drogenkonsums führt aber auf Dauer zur keiner Lösung des Suchtproblems, sondern im günstigsten Falle nur zu einer Verschiebung auf eine andere Ebene.
Als ein sehr bekanntes Beispiel sei hier jener verwöhnte
Texaner erwähnt, der lange Zeit seines Lebens den hohen Erwartungsdruck
seiner schwerreichen und erfolgsorientierten Eltern ausgesetzt war und
schon in jungen Jahren ein Alkoholiker wurde. Da er es seinen Eltern
nie recht machen konnte, ertränkte und betäubte er seine Ängste
und Schwächen mit Alkohol und auch Tabletten.
Eines Tages wandte
er sich "Gott" zu (= Projektion auf das personifizierte "Gute" in
einem imaginären "Himmel") und mit Hilfe einer fundamentalistischen
christlichen Gemeinschaft wurde er nun vom "Teufel" der Sucht
erlöst (= Projektion auf das personifizierte "Böse" aus
einer imaginären "Hölle"). Daraufhin ging er in die
Politik und bekämpfte selbstherrlich das "Böse" da
draußen in der ganzen Welt, weil "Gott" ja zu ihm gesprochen
und ihn dafür auserwählt hatte. So konnte er dadurch auch seinen
Eltern beweisen, was er für ein toller Kerl war, um endlich die
ersehnte Anerkennung zu bekommen.
Hier wurde auf eine sehr unterhaltsame und eindrucksvolle Weise für alle sichtbar auf der Bühne der Weltpolitik demonstriert, wie das noch immer ungelöste Problem der Sucht einfach nur nach Außen auf die Ebene der Umwelt abgespalten und verlagert wurde, um es dann dort allen Ernstes zu "bekämpfen" (auf Teufel komm raus).
Ein Süchtiger muss in die Lage gebracht werden,
sich mit seiner Sucht und dem dazugehörigen seelischen Schmerz bewusst
auseinander zu setzen.
Indem er lernt, aufrichtig all seinen Gefühlen
und seinen Schattenseiten zu begegnen, braucht er nicht mehr vor sich
selbst wegzulaufen und sich und andere weiterhin zu betrügen. Wenn
er erkennt und auch anerkennt, was der tatsächliche Grund für
sein Suchtverhalten ist, so besteht die Chance, seine Sucht zu erlösen.
Dies hört sich leichter an, als es in Wirklichkeit ist, denn die vielen Ängste, Widerstände und Gewohnheitsmuster eines Abhängigen können sehr stark und kontraproduktiv sein. Wenn ein Abhängiger in seinem Heilungsprozess Fortschritte gemacht hat, muss er ab einem bestimmten Zeitpunkt auch wieder lernen, den Herausforderungen des Lebens ungefiltert gegenüberzutreten und sie anzunehmen, anstatt vor ihnen wegzulaufen. Dadurch wird sein Selbstbewusstsein herausgefordert und die Integrität seines Wesens und seiner Persönlichkeit kann wieder gestärkt werden (z.B. Konfrontationstherapie).
Die Entwicklung und Stärkung des eigenen Bewusstseins spielt für den Heilungsprozess prinzipiell eine große Rolle. Der Süchtige überwindet sein Suchtverhalten meist ab dem Punkt, an dem er eine Art inneres Erwachen erlebt und mit einer bewussten Distanz sein bisheriges Leben ruhig und gefasst überblicken kann. Im Idealfall wird ihm nachdrücklich bewusst, dass sein eigenes Leben viel zu kostbar und einmalig ist, um es durch eine Sucht zu verschwenden und zu ruinieren.
Eine gesunde Lebenskunst besteht letzten Endes für alle Menschen darin, trotz ihres Ego-Bewusstseins und der damit verbundenen Illusion, scheinbar alleine, verloren und getrennt von der Einheit zu existieren, einen inneren Zugang und Gewahrsein zur Ganzheit und ihrer wirklichen Existenz zu erlangen.
So können wir unsere Suche nach uns selbst unablässig fortführen, ohne uns dabei von jeder Verlockung am Wegesrand aufhalten zu lassen (Sucht = fehlgeleitete Suche). Wenn wir dem Weg zu uns selbst treu bleiben, verlieren ungesunde Abhängigkeiten immer mehr an Bedeutung und wir entwickeln gleichzeitig eine natürliche Immunität gegen alle Arten von Drogen, Süchten und Versuchungen.
Der Weg dorthin führt aber meist erst einmal auch durch die vielen verschiedenen Schichten von Schmerz, Leid, Angst, Trauer und Verzweiflung, die sich im Laufe unseres Lebens zwangsläufig angesammelt haben. Eine Begegnung mit diesen Gefühlen ist für eine Heilung und Rückkehr zu unserer eigenen Quelle leider unvermeidlich.
Nichts ist jedoch unbeliebter und wird instinktiv von jedem Einzelnen so sehr abgewehrt, wie eben diese Tatsache und Notwendigkeit! Unsere Gesellschaft und der gegenwärtige Zeitgeist sind auf eine kollektive Flucht vor sich selbst und auf ununterbrochene Ablenkung und Betäubung ausgerichtet. Lieber versuchen die meisten Menschen ihre vielen Ängste, ihre eigenen Unzulänglichkeiten und ihren seelischen Müll mit glänzender Lackfarbe zu übermalen und ihr Leben mit oberflächlicher Unterhaltung, sinnlosem Massenkonsum oder eben auch durch Drogen dauerhaft zu narkotisieren.
Das menschliche Verhalten ist wirklich schon sehr sonderbar:
Obwohl die meisten Menschen deutlich bemerken, dass sie von den Errungenschaften
und Institutionen unserer modernen Gesellschaft wie beispielsweise von
den Medien, der Politik und dem Wirtschaftssystem betrogen und manipuliert
werden, betrügen und manipulieren sie sich zusätzlich und absichtlich
mit Drogen auch noch selbst!
Nur das, was der Mensch sich aus eigener
Kraft erarbeitet hat, bereichert wirklich sein Leben dauerhaft und macht
ihn innerlich stark. Es ist jedoch keine besondere Stärke oder Mut
erforderlich, um den Dealer an der Straßenecke aufzusuchen und
damit den vermeintlich bequemeren Weg zu gehen.
Je länger der Mensch vor sich selbst wegläuft, um so länger und schwieriger ist es jedoch für ihn, wieder zu sich selbst zu finden, da er zusätzlich zu seinen schon bestehenden Problemen, auch noch die ganze Strecke seines "Fluchtweges" wieder zurücklaufen muss. Auch ich erlebe es bei meiner Arbeit mit Klienten immer wieder, dass sie eine direkte Begegnung mit ihren innersten Gefühlen und Wesensanteilen wie eine existenzielle Bedrohung empfinden und mit allen Mitteln abwehren wollen, wodurch sie damit gleichzeitig auch ihre Heilung sabotieren. Der Mensch scheint am meisten Angst vor sich selbst zu haben.
Die kontinuierliche Entfremdung des Menschen sich selbst gegenüber ist offensichtlich ein viel größeres Problem, als bisher angenommen. Diese Entfremdung könnte aus einer gesellschaftspsychologischen Sicht betrachtet, in Zukunft eine enorme Sprengkraft entwickeln, wenn eines Tages die vielen Kompensationsmechanismen zwangsläufig versagen werden und der Mensch wie ein seelischer Analphabet innerlich auf verlorenen Posten steht.
Aus einem ganzheitlichen und therapeutischen Verständnis heraus betrachtet, gibt es auch ganz natürliche und wirkungsvolle Werkzeuge, die einen Menschen ohne den Umweg über eine Sucht mehr zu sich selbst führen können: der Zustand von Kreativität und Meditation.
Kreativität
ermöglicht es, auf eine spielerische und befreiende
Weise schöpferisch tätig zu sein und dadurch direkt an der
Schöpfung teilzuhaben, was der eigenen Existenz einen tiefen Sinn
und tiefe Befriedigung verschafft.
Spezielle Meditationen, wie sie
auch in meiner Praxisarbeit angewandt werden, können durch Innenschau und
Selbstgewahrsein immer weiter durch die verschiedenen Wesensschichten
zur eigenen Wahrheit und zur Quelle des eigenen, zeitlosen Seins führen.
So gelangen wir in die privilegierte Lage, nicht mehr im Äußeren um Liebe, Anerkennung und Glück betteln und buhlen zu müssen, sondern entdecken und erfahren diese Zustände in uns selbst. Außerdem können wir aufhören, "den Anderen" die Schuld für unser bisheriges Leben unterzujubeln und beginnen, die Verantwortung wieder für uns selbst zu übernehmen.
Man muss es nur wagen!
Peter Launhardt, Mai 2006
