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Schüßler-Salze: Selbsthilfe bei Alltagsbeschwerden
Schüßler-Salze sind einfach anzuwendende und weit verbreitete homöopathische Heilmittel, die mittlerweile in vielen Hausapotheken ihren festen Platz gefunden haben. Sie können bei einer Vielzahl akuter und chronischer Erkrankungen eingesetzt werden und unterstützen oft andere Therapien und Heilmittel in ihrer Wirkung.
Der Oldenburger Arzt und Gelehrte Dr.
med. W. H. Schüßler stellte um 1873 erstmalig sein
Therapiekonzept von zwölf biochemischen Funktionsmitteln vor.
Er
war zur damaligen Zeit von der Homöopathie genauso beeinflusst
wie von der so genannten "Cellular-Pathologie" Virchows,
nach der die meisten Krankheiten ihren Ursprung in Störungen der
Zellen des Körpers haben.
Grundlage für seine Überlegungen war die Tatsache, dass zwölf wichtige Mineralsalze im menschlichen Körper eine übergeordnete Rolle spielen. Krankheit war nach seiner Auffassung nach ein Ungleichgewicht oder Mangel dieser Mineralsalze innerhalb des Organismus und seiner Zellgewebe. Dadurch, dass die benötigten Mineralsalze in homöopathischer Form verabreicht werden, sind sie für den kranken Organismus viel leichter aufzunehmen und zu verwerten, wodurch eine gezielte, einfache und ungefährliche Heilung möglich ist.
Diese "Biochemie nach Schüßler" ist jedoch keine rein homöopathische Therapieform, auch wenn die einzelnen Salze in homöopathischen Potenzen hergestellt und eingenommen werden. Sie stellt eher eine ergänzende Form der klassischen Homöopathie dar, wobei der Schwerpunkt überwiegend auf physiologischen und körperlich-konstitutionellen Symptomen liegt und nicht nur auf dem reinen Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie beruht.
Jeder Mensch trägt aufgrund seiner biologischen
Evolution auch das Mineralreich in sich. Eine große Anzahl anorganischer
Verbindungen bilden in Form von Salz-Ionen die Grundlage für lebenswichtige
Körperprozesse. An diesen Bereich
knüpfen die von Schüßler beschriebenen homöopathischen
Salzverbindungen an und können die Funktionsweise des Organismus entsprechend
unterstützen.
Aus der Sicht und dem Wissen des damaligen Zeitalters hat
Schüßler folgende "Funktionsmittel" formuliert:
- Calcium fluoratum
- Calcium phosphoricum
- Ferrum phosphoricum
- Kalium chloratum
- Kalium phosphoricum
- Kalium sulfuricum
- Magnesium phosphoricum
- Natrium chloratum
- Natrium phosphoricum
- Natrium sulfuricum
- Silicea
- Calcium sulfuricum
Die einzelnen Mittel werden üblicherweise in den
Potenzstufen D3, D6 oder D12
in Tablettenform eingenommen (D = Dezimalpotenz).
Fast immer ist die D6 erfahrungsgemäß die ideale Potenz. Nur
bei Calcium fluoratum, Calcium phosphoricum und bei Silicea wird meist
die D12 bevorzugt. Auch gibt es die meisten Funktionsmittel zur äußerlichen
Anwendung in Form von Salben.
Nach Schüßlers Tod wurden im
Laufe der Zeit noch weitere wichtige Salzverbindungen entdeckt. Diese
so genannten "Ergänzungsmittel" werden jedoch nicht so
häufig angewendet wie die ursprünglichen Schüßler-Salze.
Es gibt mittlerweile eine große Anzahl von Büchern
und Ratgebern, die sehr viele detaillierte Informationen über die
Anwendung von Schüßler-Salzen enthalten.
Hier werden nur einige der wichtigsten und häufigsten Anwendungsbereiche
der zwölf Funktionsmittel für den Alltag kurz beschrieben. Man kann
sich zur passenden Verordnung dabei entweder an der akuten und chronischen
Symptomatik einer Erkrankung oder an den entsprechenden Konstitutions- und
Mangelzeichen orientieren, die den jeweiligen Salzen zugeordnet sind. Es ist
auch durchaus üblich, je nach Symptomatik und Krankheitsverlauf, mehrere
Funktionsmittel im Wechsel einzunehmen, wobei es in bestimmten Fällen
erforderlich sein kann, die Mittel sehr häufig und in großer Anzahl
zu sich zu nehmen.
Schüßler-Salze können jedoch keinesfalls eine medizinische Diagnose oder Therapie ersetzen. Sie sind bei leichten bis mittleren Beschwerden eine gute Unterstützung und lassen sich mit fast allen Therapieverfahren risikolos kombinieren. Trotzdem sollte im Zweifelsfall und bei unklaren Symptomen immer ein medizinischer Rat eingeholt werden!
Um sich ein genaues diagnostisches Bild der Mineralsstoffsituation
des Körpers
zu machen, hat sich besonders die Haarmineralanalyse bewährt, die neben
den absoluten Werten auch das relative Verhältnis einzelner Mineralstoffverbindungen
aufzeigen kann. Dadurch kann auch ein so genannter "maskierter" Mineralstoffmangel
sichtbar gemacht und gezielt behandelt werden.
Eine Haarmineralanalyse wird
in meiner Praxis auch oft in Zusammenhang mit einer Untersuchung auf mögliche
toxischen Metall- und Schwermetallbelastungen im Körper eines Patienten
durchgeführt, da diese vielfältige Auswirkungen auf die Gesundheit
und damit auch auf die Mineralstoffsituation besitzen.
Im Akutfall nimmt man üblicherweise alle ¼ h
bis alle 2 h jeweils 1 - 2 Tabletten und lässt sie auf der Zunge
zergehen.
In chronischen Fällen und zur konstitutionellen Unterstützung
reicht meist eine Tageseinnahme von 3 - 6 x 1 - 2 Tabletten aus. In Einzelfällen,
sowie bei deutlichen und schweren Mangelerscheinungen werden für
eine kurze Zeit Initialdosen von bis zu 10 Tabletten jeweils 1 - 2 x
täglich empfohlen.
Kinder bis 12 Jahren nehmen etwa die Hälfte der üblichen Erwachsenendosis,
Säuglinge bekommen meist 1 - 3 x täglich jeweils ½ - 1 Tablette
pulverisiert auf die Zunge.
Diese Angaben geben nur die durchschnittlichen
Erfahrungswerte wieder, da jeder Mensch und jede Erkrankung sehr individuell
auf die Einnahmedosis homöopathischer
Arzneien reagiert.
Infekte:
Akute Erkrankungen, wie beispielsweise grippale Infekte, verlaufen meist in mehreren Stadien und können jeweils mit dem entsprechenden Funktionsmittel abgemildert werden. Das Hauptmittel für jeden beginnenden Infekt ist Ferrum phosphoricum, es sollte anfangs besonders bei Schüttelfrost und steigendem Fieber möglichst häufig eingenommen werden, da es sehr gut zur Infektabwehr geeignet ist. Sollte das Fieber andauernd hoch sein und der Infekt den Körper zu sehr belasten, ist auch Kalium phosphoricum angezeigt, das bei Erschöpfungszuständen eine gute Hilfe ist.
Bei Infekten der Ohren, Augen, des Halses und der Atemwege
kommt es im 2. Stadium meist zu Entzündungen und Absonderungen der
Schleimhäute.
In diesem Stadium hat sich Kalium chloratum bewährt,
besonders wenn die Schleimbildung sehr zähflüssig und fibrös
ist. Im 3. Stadium kann es sein, dass es zu einer länger anhaltenden und chronisch-eitrigen
Schleimbildung kommt, die der Körper nicht so schnell überwinden
kann. Hierbei hilft Kalium sulfuricum, besonders bei Erkrankungen
und Symptomen, die nicht richtig "herauskommen" und meist mit gelblich-schleimigen
Absonderungen verbunden sind. Am Ende eines Infektes können hier auch
wieder Kalium
phosphoricum,
sowie Calcium phosphoricum viel zur Kräftigung und Rekonvaleszenz
beitragen.
Husten und Schnupfen:
Auch hier ist Ferrum phosphoricum das erste
Mittel bei beginnendem Husten oder Schnupfen. Bei nervösem und krampfhaftem
Husten (Asthma) und Niesen sind Kalium phosphoricum und besonders Magnesium
phosphoricum hilfreich, wenn die Anfälle vor allen Dingen
nachts auftreten.
Kalium chloratum und Kalium sulfuricum werden
bei schwer löslichem und eitrigem Schleim eingenommen, besonders
wenn es zu Beengungsgefühlen im Brustbereich kommt.
Bei zähem
und grünlichem Schleim kommt eher Natrium sulfuricum in
Frage.
Bei wässrigem und wund machendem Fließschnupfen ist Natrium
chloratum das passende Mittel, bei trockenem Stockschnupfen ist
es hingegen Silicea.
Krämpfe und Koliken:
Hier ist es besonders das Schüßler-Salz Nr. 7, Magnesium phosphoricum, das sehr viele Krampfzustände beruhigt. Es ist auch als "Heiße Sieben" bekannt, da man bei akuten und starken Krämpfen 10 Tabletten in einem Glas mit heißem Wasser auflöst und dann schluckweise davon trinkt. Bei Wadenkrämpfen, Darm- und Gallenkoliken, Menstruationsschmerzen und Spannungskopfschmerzen kann es meist rasch helfen. In meiner Praxis war es in einem fortgeschrittenen Fall von Multipler Sklerose (MS) sogar das einzige Mittel, das die schmerzhaften Gliederspasmen durch regelmäßige Einnahme auf Dauer symptomatisch lindern konnte. Auch "nervöse" Krämpfe, wie etwa Asthma und Herzenge, aber auch Schlafstörungen und Unruhezustände können damit behandelt werden, besonders wenn dieses Heilsalz in Verbindung mit Kalium phosphoricum eingenommen wird.
Nerven:
Wie schon bei den Krämpfen erwähnt, ist es
vor allen Dingen Magnesium phosphoricum, das eine Entspannung
und Entkrampfung des nervösen Körpers bewirkt. Außerdem
hilft es auch bei Neuralgien, die durch Überanstrengung oder Unterkühlung
entstanden sind (Ischias). Kalium phosphoricum ist das Hauptmittel
bei allen Nervenüberreizungen und (depressiven) Erschöpfungszuständen
und ist in diesem Sinne als "Nervennahrung" zu bezeichnen.
Wenn konstitutionell ein Mensch seelisch zu "dünnhäutig" ist,
tut ihm eine längere Kur mit Calcium fluoratum gut, die ihm
dabei hilft, eine schützende Schale aufzubauen. Ebenso kann Silicea,
wenn es über einen längeren Zeitraum
eingenommen wird, die "Brüchigkeit" des eigenen Wesens reduzieren
und die Bildung einer kräftigen seelischen Struktur mit unterstützen.
Haut:
Hautprobleme können, wie viele andere Erkrankungen
auch, sehr verschiedene Ursachen haben und sind oft die Folge einer inneren
Störung. Deswegen werden Hauterkrankungen überwiegend von innen
heraus behandelt.
Anhand des jeweiligen Hautbildes können die Schüßler-Salze
und auch die entsprechenden Salben hierbei unterstützend wirken.
Schuppige Haut ist ein Hinweis auf Kalium sulfuricum, bei mehlartigen
Schuppen ist es meist Kalium chloratum. Nässende Ausschläge
benötigen oft Natrium sulfuricum,
sollten aber nicht "zugeschmiert" werden. Bei Bläschenausschlägen
mit klarem Inhalt, wie beispielsweise bei der Nesselsucht, lindert Natrium
chloratum in Verbindung mit Kalium phosphoricum. Ist der Inhalt
eher gelblich-schleimig, dann hilft meist Natrium sulfuricum.
Bei
Juckreiz greift am besten Magnesium phosphoricum sowie auch Kalium
phosphoricum. Eine so genannte "Sonnenallergie" lässt sich
versuchsweise mit auch Natrium chloratum und Magnesium phosphoricum behandeln.
Eiterungen
können gefährlich sein und schwerwiegende Infektion verursachen.
Trotzdem empfiehlt es sich, kleinere Hauteiterungen, neben weiteren Maßnahmen
und Medikamenten, mit Ferrum phosphoricum und Calcium sulfuricum begleitend
zu unterstützen. Bei einer Neigung zu chronischen Eiterungen ist es meist Silicea,
welches den Heilungsprozess fördert. Rissige Haut und Hautschrunden benötigen Calcium
fluoratum im Wechsel mit Natrium chloratum, wobei hier besonders
die Salben zur Anwendung kommen sollten.
Bei harten Warzen: Calcium fluoratum Salbe, bei weichen Warzen
und auch Hühneraugen: Kalium chloratum Salbe. Ansonsten versuchsweise
auch Natrium sulfuricum Salbe.
Knochen und Zähne:
Knochen und Zähne sind ja der stoffliche Ausdruck
des Mineralreichs im Menschen. Bei Störungen in diesem Bereich kommen
vor allen Dingen die "härteren" Salze zum Einsatz. Bei
Osteoporose und Störungen des Knochenaufbaus insgesamt, sind es Calcium
phosphoricum und Calcium fluoratum, die regelmäßig
und über einen längeren Zeitraum eingenommen werden müssen,
da sie einen großen Einfluss auf die Mineralisierung besitzen. Zusätzlich
kommen auch noch Magnesium phosphoricum und Silicea zur
Anwendung.
Calcium phosphoricum ist auch das "Kindermittel" der
Schüßler-Salze, da es ein wirksames Aufbaumittel für
Knochen, Zähne, Bindegewebe und die Nerven ist.
Auch hat es sich
bei Wachstumsschmerzen, sowie bei Schmerzen nach Knochenfrakturen bewährt.
Es hilft, schwächlichen und ausgezehrten Menschen wieder Kraft zu
geben, und ist darüber hinaus auch für die innerliche Stabilität
des ganzen Wesens von großer Hilfe.
Verletzungen:
Vieles ergibt sich ja aus dem schon bisher Beschriebenen.
Bei frischen Verletzungen wie Quetschungen, Verstauchungen, Schnittwunden
und Blutergüssen, ist es Ferrum phosphoricum, das anfangs öfter
eingenommen wird, oder auch als Salbe im Wechsel mit Silicea Salbe äußerlich
aufgetragen wird. Bei Weichteilverletzungen mit Schwellungen kann begleitend Kalium
chloratum gegeben werden.
Nach Knochenfrakturen sind es natürlich Calcium
phosphoricum und Calcium fluoratum, die hier zum Einsatz
kommen.
Peter Launhardt, Juli 2006
