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Neurodermitis in der Naturheilkunde

Hautcreme mit Herz
(© chezbeate - Pixabay)

Chronische Hauterkrankungen sind immer häufiger anzutreffen und therapeutisch meist nur schwer zu beeinflussen. Leider nimmt auch die Neurodermitis in den letzten Jahren einen immer größeren Raum ein, insbesondere Kleinkinder und Jugendliche sind auffällig oft davon betroffen. Wie kann man dieser Erkrankung naturheilkundlich begegnen, und welche therapeutischen Möglichkeiten stehen außer dem Einsatz von Antihistaminika und kortisonhaltigen Medikamenten noch zur Verfügung?

Es lohnt sich deswegen ein kurzer Blick auf die Haut, die uns und unseren Körper schützend umgibt und auch eine Reihe von wichtigen Funktionen und Aufgaben für uns erfüllt:

Unsere Haut ist von ihrer Ausdehnung her betrachtet unser größtes Sinnesorgan, wobei ihr feiner Schmerz-, Tast- und Temperatursinn die wichtigsten Anteile zum Erleben und Erfühlen unserer Umwelt darstellen. Dadurch "sieht" unsere Haut gewissermaßen, was in unserer Umgebung geschieht und kann diese Informationen nach innen vermitteln.

Diese deutliche und ausgeprägte Sinnesfähigkeit verdankt unsere Haut unter anderem einer Tatsache, die insbesondere bei einer kausalen Therapie der Hauterkrankungen besser nicht so schnell übersehen werden sollte: Während eines sehr frühen Stadiums unserer Embryonalentwicklung im Mutterleib bilden sich drei so genannte Keimblätter, aus denen sich bis zur Geburt alle lebenswichtigen Organe und Strukturen bilden.

Das äußere Keimblatt, welches als Ektoderm bezeichnet wird, trägt in sich die gesamten Anlagen für alle Sinnesorgane, das Gehirn und auch für die Haut. Das bedeutet, dass unsere Haut ihrer Entstehung nach den gleichen Ursprung wie unser Nervensystem und seiner Organe besitzt. Der ektodermale Ursprung unserer Haut muss daher mit all seinen Konsequenzen bei einer ganzheitlichen Therapie von Hauterkrankungen, wie beispielsweise der Neurodermitis, unbedingt mit einbezogen werden!

Da die Haut ein vielseitiges Organ ist, müssen wir jedoch auch berücksichtigen, dass sie ebenso in einer engen Beziehung zu unserem gesamten Stoffwechsel steht. Über das Blut und die Lymphe, aber auch durch die Tätigkeit des lokalen Zellstoffwechsels, gelangen Substanzen aus unserem Stoffwechsel und den übrigen Körperbereichen in die verschiedenen Hautzonen.

Das bedeutet, dass unsere Haut auch ein Ausdrucks- und Ausscheidungsorgan für unseren Stoffwechsel und seiner Organe darstellt. Die Haut wird in diesem Zusammenhang gern als "Dritte Niere" bezeichnet, wenn es beispielsweise um die Qualität der Ausscheidungen aus den Schweißdrüsen geht. Sie repräsentiert das Stoffwechselgeschehen von Darm, Leber, Galle und Lungen und besitzt ansatzweise selbst auch einen Teil der Eigenschaften dieser Organe. Daher können wir bei bestimmten Hautsymptomen oft sehr leicht Rückschlüsse auf entsprechende Organ- und Stoffwechselstörungen ziehen und durch eine "innere" Behandlung den äußeren Hautsymptomen begegnen.

So ist bekannt, dass unsere Haut atmet ("Hautlunge") und wir innerlich schnell ersticken würden, wenn wir unsere gesamte Hautoberfläche beispielsweise durch Lackfarbe versiegeln würden. Aber auch die Qualität des Blutkreislaufs und der Zustand von Herz und Gefäßen lassen sich an der Haut ablesen. Geübte Praktiker können an bestimmten Hautarealen den energetischen Zustand der entsprechend zugeordneten Organe ablesen, meist lange bevor es zu klinisch manifesten Symptomen oder Störungen an ihnen kommt. Die Untersuchung von Geruch, Farbe, Temperatur, Absonderungen, Struktur und Festigkeit, sowie der reflektorischen und sensorischen Empfindlichkeit der Haut, waren schon immer Bestandteil eines ganzheitlichen Diagnoseverfahrens gewesen, wobei hier leider die moderne Apparatemedizin nur noch wenig Raum und Zeit dafür einräumt.

Zusammenfassend ausgedrückt, ist unsere Haut eine äußere Projektions- und Funktionsfläche für die inneren Prozesse unseres Wesens, sowohl im stofflichen wie auch im seelischen Sinne.

Betrachten wir nun in aller Kürze einige wichtige therapeutische Aspekte der Neurodermitis, wobei wir zuerst das stoffliche und dann das seelische Geschehen dieser Erkrankung skizzieren wollen.

Als ein sehr markanter Problembereich und häufig auslösender Faktor von Neurodermitis steht die Nahrungsaufnahme und -verarbeitung im Darmbereich. Erinnern wir uns, dass der überwiegende Teil der aufgenommenen Nahrungssubstanzen über den Dünndarm resorbiert und an die Leber zu biochemischen Verarbeitung weitergeleitet wird, bevor sie im späteren Verlauf über das Blut an den Körper abgegeben werden kann.

Wenn beispielsweise bei der Begegnung des körpereigenen Immunsystems mit den von außen zugeführten Nahrungsmittelsubstanzen im Dünndarmbereich eine Störung oder ein immunologisches Ungleichgewicht vorliegt, können unzulässige Substanzen in Richtung Leber gelangen und in Folge weitere Organe und den gesamten Stoffwechsel belasten.

Eine Schwäche oder ein Defekt der immunologischen aktiven Dünndarmmucosa (=Schleimhaut) ist meist die erste Vorraussetzung für Stoffwechselstörungen und auch für Hauterkrankungen. Bei einem gestörten Darmmilieu und entsprechender Immunschwäche kann beispielsweise schon bei Säuglingen eine unzureichende Antigen-Antikörper-Reaktion auf Milcheiweiße der Muttermilch in ihrer Konsequenz zu deutlichen Hautreaktionen führen.

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, weshalb das Darmmilieu gestört sein kann (Antibiotika, Fehlernährung, Pilze, Atrophie der Mucosa, Viren, bakterielle Fehlbesiedlung, Parasiten, Autoimmunerkrankungen, etc.), aber es sollte in jedem Falle mit untersucht und gegebenenfalls behandelt werden. Gleichzeitig stellt auch eine mögliche Leberschwäche und/oder -überlastung eine weitere Ursache auf dieser Ebene dar. Der Vollständigkeit halber sei noch angemerkt, dass die Folgen einer Impfung sowie der Kontakt mit Umweltgiften und Schwermetallen einen zusätzlichen Einfluss haben können.

Wir finden besonders bei Kinder und Jugendlichen, die an Neurodermitis leiden, zahlreiche Nahrungsmittel, die als Auslöser fungieren oder zu Verschlimmerung der Symptomatik führen können. Neben Vollmilch und Milchprodukten sind es oft auch Schweinefleisch, Zitrusfrüchte, Tomaten, Getreideprodukte wie Weizen(-mehl), Nüsse, Industriezucker, scharfe Gewürze und vieles mehr. Therapeutisch ist es durchaus sinnvoll, durch eine entsprechende Diät oder Nahrungsmittelbegrenzung die Neurodermitis zusätzlich zu beeinflussen.

Es ist jedoch sehr wichtig zu begreifen, dass die äußere Symptomatik auf der Haut — vom Stoffwechselgeschehen her betrachtet — meist eine Ventilfunktion darstellt, mit der sich der Körper auf diese Weise von störenden (Fremd-)Substanzen zu entledigen versucht. Aus diesem Grunde sollte man, trotz des starken Juckreizes und dem damit verbundenen Leid, mit äußeren Anwendungen von Cremes und Salben nur sehr zurückhaltend sein, damit die Haut in ihrer Ausscheidungsfunktion nicht behindert oder sogar unterdrückt wird!

Die Heilung muss, wie bei allen Hauterkrankungen, grundsätzlich von innen heraus erfolgen und angeregt werden. Insbesondere dann, wenn die sonst eher trockenen Ekzeme des Neurodermitispatienten zu nässen beginnen, sollten diese Hautpartien auf keinen Fall "zugeschmiert" werden. Dadurch treibt man die Erkrankung nur noch weiter nach Innen hinein und forciert auf Dauer weitere Krankheitsbilder (z.B. Asthma). Die Anwendung von so genannten Teerpflastern bei nässenden Ekzemen stellt einen medizinischen Kunstfehler ersten Ranges dar und wird glücklicherweise nur noch sehr selten in Betracht gezogen. Auch kortisonhaltige Salben sollten, wenn möglich, nur im Notfall und sehr sparsam angewandt werden, da Kortison nur eine vorübergehende und äußerliche Unterdrückung der Symptomatik bewirkt und auf Dauer mit zu vielen Nebenwirkungen behaftet ist.

Leider gibt es erfahrungsgemäß neben einer tiefgreifenden innerlichen Behandlung nicht viel Befriedigendes, mit dem man dem quälenden Juckreiz im Akutfall wirkungsvoll und sanft begegnen kann. Viele Hausmittel und Rezepte müssen meist erst einzeln ausprobiert werden und lindern oft nur für kurze Zeit. Reines Olivenöl, Nachtkerzenöl, Zinnkrautwaschungen, Calendulatinktur, Cardiospermumsalbe, Harnstoffpräparate und viele ähnliche Anwendungen können tatsächlich hilfreich sein, aber vor allen Dingen haben sich Immunstärkung, Homöopathie und Psychotherapie als die nachhaltigsten Werkzeuge bewährt, um sich mit der Neurodermitis therapeutisch auseinanderzusetzen.

Der Eingangs erwähnte "nervliche" Charakter der Haut steht bei der Neurodermitis, wie der Name schon offenkundig symbolisiert, im Vordergrund. Die Haut ist die physische Grenze zwischen Du und Ich, zwischen Umwelt und Individuum. An ihr entzünden sich häufig seelische Konflikte aus dem zwischenmenschlichen Bereich. Sehr oft können wir in der Praxis erleben, dass sich insbesondere Neurodermitis-Kinder in einem Konflikt befinden, in dem sie zwischen dem immer stärker werdenden Bedürfnis nach Abgrenzung und Autonomie gegenüber ihren Eltern einerseits und dem Verlagen nach Liebe, Aufmerksamkeit und Zuwendung anderseits verzweifeln. Der gleichzeitige Wunsch sowohl nach Nähe, als auch nach "Rück mir nicht auf die Pelle", erzeugt jene emotionale Ambivalenz, die sich in der überreizten und nervösen Haut widerspiegelt.

Wie können wir das genauer verstehen? In jedem Menschen und ganz besonders bei Kindern steckt ein Urbedürfnis und elementares Verlangen nach Liebe. Aber Liebe ist nicht gleich Liebe! Es ist häufig zu beobachten, dass Liebe bevorzugt als Werkzeug benutzt wird, durch das viele Eltern ihre Absichten gegenüber ihren Kindern durchsetzen. So wird Liebe leichtfertig instrumentalisiert und an Bedingungen geknüpft, damit das Kind aufgrund seiner fundamentalen Abhängigkeit von Liebe, dem Willen seiner Eltern entspricht. Dies geschieht meist so selbstverständlich und unbewusst, dass es von den Eltern und auch innerhalb der Gesellschaft überhaupt nicht als solches erkannt und in Frage gestellt wird.

Selbst wenn Eltern nur die allerbesten Absichten für das Wohlergehen und Gedeihen ihres Kindes haben, sind diese häufig an eine Vielzahl von unbewussten Ängsten, unerfüllten Wünschen und Bedürfnisse geknüpft, die auf das Kind projiziert werden. Je nach Intensität und Dauer dieser subtilen oder auch offensiven Erwartungshaltung seitens der Eltern, spürt das Kind instinktiv sehr schnell, dass es nicht "um seiner selbst" geliebt wird, sondern Liebe, Zuwendung und Anerkennung nur durch eine entsprechende graduelle Selbstverleugnung und Anpassung erhält.

Der im Laufe der Zeit sich daraus entwickelnde tiefe Konflikt des Kindes zwischen dem erzwungenen "Eltern-Ich" und seinem "Wahren Selbst" kann sich auf vielfältige Weise ausdrücken und bei entsprechender Veranlagung vorzugsweise als Neurodermitis in Erscheinung treten.

Eine große Rolle spielt dabei am Anfang die Mutter, denn schon während des Stillens kann es zu Milchschorf und neurodermitischen Ekzemen kommen und dadurch auf diese Thematik hinweisen. Viele Mütter von Neurodermitis - Kindern wirken sehr engagiert, sind kritisch und anspruchsvoll im Umgang mit Menschen und neigen zu einer übermäßigen Kontrolle und zu "Overmothering". Dabei bleibt dem Kind erfahrungsgemäß nicht viel Raum für seine ureigensten Bedürfnisse und seinen individuellen Selbstausdruck.

Es scheint, als ob jene Mütter in Bezug auf ihre eigenen Gefühle und seelischen Inhalte tief verunsichert sind und es durch kontrollierende Gesten und kopflastige Erziehungs- und Lebenskonzepte zu kompensieren versuchen. Oft dienen viele Kinder auch nur als Partnerersatz und Einsamkeitstrost, oder zur Befriedigung der narzisstischen Bedürfnisse ihrer Mütter. Um jedoch in der Lage zu sein, bedingungslose Liebe zu schenken und zu geben, benötigen Mütter, wie auch Väter, als wichtigste Grundlage zuallererst ein tiefes Urvertrauen, Bewusstsein, Respekt und Selbstliebe gegenüber ihrem eigenen Wesen und Leben. Dadurch gelangen sie leichter in die Lage, den Dingen ihren natürlichen Lauf zu lassen und sich selbst und die Welt nicht mehr so sehr zu manipulieren.

So ist Neurodermitis in einem übertragenen Sinne auch ein Schrei nach Liebe — nach bedingungsloser Liebe! Dieses wird auch durch die Tatsache bestätigt, dass chronische Neurodermitis sich sehr leicht mit Asthma abwechseln kann und der Patient in seiner seelischen Not quasi fast schon erstickt, weil keiner mehr seinen Schrei nach Liebe versteht.

Viele Neurodermitiker sind meist Einzelkinder und wirken aus der Sicht des Therapeuten schon in jungen Jahren auffällig altklug und frühreif. Sie sind oft sehr intelligent und haben ihre Gefühle meist unter Kontrolle, obwohl sie häufig unruhig wirken und eine subtile Aggression ausstrahlen, die schlagartig und unberechenbar hervortreten kann.

All dies ist ein Ausdruck dafür, dass sie sich innerlich — ähnlich wie bei Allergikern — auf die vermeintlich sichere Position ihres Verstandes und Intellekts zurückgezogen haben und dadurch zwanghaft versuchen, die Kontrolle und den Abstand gegenüber ihren schmerzhaften Gefühlen und seelischen Verletzungen, die sie in ihrem Inneren quälen, zu bewahren.

Es ist ein grundsätzliches und bei fast allen Menschen zu beobachtendes Muster: je tiefer und elementarer eine seelische Wunde einem Menschen zugefügt wurde, desto stärker und intensiver wird ein Schutz- und Verteidigungswall um diese Wunde herum aufgebaut. Dies dient anfänglich und notwendigerweise als seelischer Selbstschutz und "Erste Hilfe" für die emotionale und psychologische Integrität des eigenen Wesens. Leider heilt die Zeit die Wunden nicht — wie irrtümlich angenommen wird: sie vernarben einfach nur! Die ursprüngliche Verletzung, die zu einer Narbe geführt hat, existiert auch trotz aller Schutzmechanismen latent und zeitlos in der Seele weiter.

Werden diese kompensatorischen Kontroll- und Verteidigungsmechanismen zu lange beibehalten und nicht zu gegebener Zeit durch eine aufrichtige und bewusste Begegnung mit dem ursprünglichen seelischen Schmerz erlöst, wiederholen sich vorzugsweise im Erwachsenenalter auf konfliktreiche Art und Weise die vorhandenen seelischen Abwehrmuster. So findet dann auf einer höheren Oktave, beispielsweise innerhalb der eigenen Partnerschaft, im Beruf oder im sozialen Bereich, eine andauernde und frustrierende Auseinandersetzung mit der Umwelt statt, die den Menschen unablässig mit seinem ursprünglichen und noch unerlösten Schmerz konfrontiert.

Hauterkrankungen, wie insbesondere Neurodermitis oder auch Psoriasis (Schuppenflechte), sind hierbei der sichtbare und körperliche Ausdruck dieses Konfliktes, der sich auf der Grenzfläche zwischen Du und Ich, zwischen der eigenen Person und seiner Umwelt widerspiegelt und seine Energie aus der noch vorhandenen seelischen Wunde bezieht.

Aus diesem Grund sollte es nun leichter nachzuvollziehen sein, warum eine wirkliche Heilung immer von innen heraus geschieht und umso gründlicher vollzogen werden kann, je mehr man es wagt, sich auf die Tiefe der eigenen Gefühle einzulassen.

ZP

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